Die Palliativstation
Das Leben lebenswert machen

Die Aufgabe einer Palliativstation ist es, das Leben jedes einzelnen dort betreuten Menschen so lebenswert wie möglich zu machen und das bis zum Lebensende.

Das ist ein hohes Ziel und natürlich nicht nur davon abhängig, was die Palliativstation leisten kann, sondern im gleichen Maß davon, was bei dem jeweiligen Menschen medizinisch möglich ist und vor allem auch davon, was er selbst als lebenswert empfindet. Es ist also von vielen Faktoren abhängig, ob das, was die Palliativstation erreichen möchte, auch gelingen kann.

Lebenswert bedeutet für die meisten Menschen, möglichst wenig körperliches Leid ertragen zu müssen, selbstbestimmt leben zu können auch wenn die Selbständigkeit verloren gegangen ist und vor allem in Würde leben zu können trotz aller Abhängigkeit, die bei weit fortgeschrittenen Erkrankungen unvermeidbar ist.

Jede einzelne Mitarbeiterin und jeder einzelne Mitarbeiter auf der Palliativstation achtet daher besonders sorgsam darauf, diese Werte in jeder Situationn der praktischen Betreuung auch zu leben. Dazu gehören eine gut geschulte Wahrnehmung, sodass auf scheinbare Kleinigkeiten reagiert werden kann: z.B. nachzufragen, wenn jemand „ja“ sagt, aber gleichzeitig doch skeptisch schaut; Veränderungen im Verlauf anzusprechen, etwa einen zunehmenden Kräfteverlust, nach deren Bedeutung für die Betroffenen zu fragen und zu hören, was ihnen helfen könnte, diese Veränderungen ertragen zu können.

Und dazu gehören ganz besonders auch Gespräche mit Patienten und mit deren Angehörigen. Die Mitarbeiter der Palliativstation hören dabei vor allem zu, um die Gedanken und Gefühle der Betroffenen zu verstehen, anstatt schon im Satz des Gegenüber eigene Antworten zu überlegen. Oft gibt es gar keine guten Antworten und dann ist es wichtig, den Satz einfach ausklingen zu lassen und die Pause als wichtigen Teil des Gesprächs zu kennen.

Die Arbeit auf der Palliativstation ist in dieser Form nur möglich, weil jede und jeder Einzelne sich mit seinem ganzen Wissen, seiner ganzen Erfahrung und vor allem mit seiner ganzen Persönlichkeit einbringt, sodass eine Begegnung von Mensch zu Mensch möglich wird. An manchen Tagen gelingt das besser, an anderen Tagen ist das vielleicht nicht so gut möglich, wie wir uns das wünschen, denn natürlich gibt es auch auf der Palliativstation Zeiten in denen vieles gleichzeitig passiert und in denen mehr nötig ist als möglich. Dann ist es wichtig, dass das Team inne hält, neu sortiert, Wichtigkeiten und Prioritäten für diesen Moment definiert und dann mit neuem Elan und neuer Kraft die Arbeit wieder aufnimmt. Das ist möglich, weil die Arbeit allen Freude macht und weil es für jeden Helfer befriedigend ist, wenn eine Begegnung gelingt, wenn im Gespräch Verstehen erlebt wird und in der Begleitung Nähe.